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Kohl-Briefmarken-Handbuch
von Dr. Herbert Munk

Wenn ich Ihnen heute dieses unscheinbare nebenstehende Handbuch vorstelle, dann in erster Linie darum, um Sie auf das Werk eines Meisters der Philatelie aufmerksam zu machen, das unsere höchste Bewunderung verdient: das Kohl-Briefmarken-Handbuch von Herrn Dr. Herbert Munk. Er übernahm 1923 die Neubearbeitung des Kohl-Kataloges, welches 1915 die 10. Auflage erreicht hatte. Die Wirren des Ersten Weltkrieges und die wirtschaftlich sehr schwierigen Nachkriegsjahre hatten eine Neuauflage lange hinausgezögert, doch Dr. Munk nahm mit der 11. Auflage ein monumentales Unterfangen in Angriff, indem er eine Serie von Monographien in alphabetischer Reihenfolge veröffentlichte: jedes Land, angefangen bei Afghanistan, wurde äusserst detailliert und mit der sprichwörtlichen deutschen Gründlichkeit beschrieben. In zehn Jahren, von 1926 bis 1936, legte Dr. Munk in 40 Teilen („Lieferungen“) Beiträge vor für alle Länder von A bis I (Italien). Jede Lieferung umfasste ca. 128-160 Seiten; je 8 Lieferungen wurden in einen Band von jeweils mehr als 1000 Seiten zusammengefasst.

Einzelne Länder wurden über eine dreistellige Anzahl Seiten beschrieben, andere kamen mit weniger Seiten aus. Am Beispiel Hawaii sei beschrieben, wie solch ein Briefmarken-Land behandelt wurde. Auf den Seiten 733-817 (des vierten Bandes), aufgeteilt auf die Lieferungen 30 und 31, werden auf 85 zwar kleinformatigen, aber sehr eng beschriebenen Seiten unzählige Informationen gegeben:
Seiten 733-734: Allgemeine & geschichtliche Informationen,
Seiten 734-741: Postgeschichte und Tarifordnungen,
Seiten 741-759: Ausgaben 1851 und 1853 (Nummern 1-6),
Seiten 759-805: Ausgaben 1859-1899 (Nummern 7-66).
Seiten 805-806: Dienstmarken,
Seiten 806-817: Amtliche Neudrucke (Nummern 1-9).
Abbildungen wurden nur spärlich eingesetzt; alle Marken wurden auch bewertet.

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Dr. Herbert Munk war ein gefeierter Star der deutschen Philatelie, der zu Recht breite Anerkennung erfuhr. 1927 wurde zu seinen Ehren am 33. Deutschen Philatelistentag eine Ganzsache mit seinem Porträt herausgegeben.
Doch nach der Machtübernahme durch Hitler änderte sich dies, sodass Munk vermutlich nicht aus gesundheitlichen Gründen 1936 die Leitung der Bearbeitung des Handbuches abgeben musste, wie offiziell verlautete.
Prof. Carlrichard Brühl vermutet, dass Munk aus Rassengründen gezwungen wurde, die Schriftleitung abzugeben (gemäss Brühl: „Geschichte der Philatelie“, Seite 660). Munk verliess noch im selben Jahr 1936 Deutschland und zog in die Schweiz, nach Lugano, wo er bis zu seinem Tode 1953 lebte und weiter für die Philatelie arbeitete. Nun widmete er seine Aufmerksamkeit vor allem den Schweizer Briefmarken zu; auch hierzu schrieb er wichtige Forschungsergebnisse nieder. Er war in diesen Jahren ein wichtiger Mitarbeiter auch für die Schweizer Briefmarken-Zeitung.

Natürlich stützte sich Munk bei seinen Arbeiten zum Kohl-Briefmarken-Handbuch auf die bereits vorhandene Literatur ab. Zu Hawaii zum Beispiel listete Munk 12 Werke der von ihm verwendeten Literatur auf. Für viele seiner von ihm bearbeiteten Gebiete setzte er aber neue Massstäbe bezüglich Gründlichkeit der Ausführungen, und selbst heute gelten für manche Gebiete seine Ausführungen noch immer als richtungsweisend.
Um sich die ungeheure Schaffenskraft dieses Vollblut-Philatelisten vor Augen zu führen genügt es, die Zahl der Seiten seines Handbuches durch die Anzahl der zur Verfügung stehenden Wochen zu dividieren: im Schnitt 10 Druck-Seiten lieferte Dr. Munk Woche für Woche ab, und dies 10 Jahre lang.

Das Kohl-Briefmarken-Handbuch (11. Auflage) ist in der Stiftungsbibliothek komplett vorhanden. Jeder Philatelist, der ein Land sammelt mit dem Anfangsbuchstaben A-I ist gut beraten, im Kohl-Briefmarken-Handbuch das frühe Grundlagenwissen zu seinem Gebiet zu studieren.
Heinz Glättli, März 2013